Bauernweisheit
- altes Wissen mit zeitlosem Wert -

Eine genaue NATURBEOBACHTUNG ist Grundlage für die treffende Einschätzungen von Klimabedingun-
gen, die die Landwirtschaft beeinflussen. Wer vorrausahnt, wie das Wetter sich verhält, kann die Ernte oder sei-
ne Schäfchen rechtzeitig ”ins Trockene” bringen und ausreichend Vorsorge für schlechte Zeiten treffen.
Das umfangreiche Wissen um Wetterzeichen, Saat-, Ernte- und andere wichtige Termine wurde seit Urzeiten
mündlich VON GENERATION ZU GENERATION ÜBERLIEFERT. Was war naheliegender und sinn-
voller, als so vielfältiges Wissen in Sprüche und Reime zu verpacken, die sich gut merken liessen und so immer
zur Hand waren, wenn sie gefragt waren. Einige Regeln kennen wir noch als “Sprichworte” unklarer Herkunft.

Viele Regeln TREFFEN ZU 70 PROZENT ZU (wissenschaftlich belegt) - deutlich mehr als “Fifty-Fifty”!

HINWEIS: Im Jahre 1582 kam es mit der von Papst Gregor XII durchgesetzten Kalenderreform zu Abwei-
chungen. Bis dahin bereits festgelegte Stichtage und Termine, “verrutschten” um 10 Tage.
Das wurde bis heute nicht ausgeglichen! Die an bestimmte Tage gekoppelte Aussagen treffen nicht immer zu.

Wer Freude an den alten Sprüchen hat und ihrer Weisheit auf den Grund gehen möchte, findet im Anschluss
einige Regeln und kann sich seinen eigenen “Reim darauf machen”. Viel Vergnügen auf der Reise durch´s Jahr!

Der Januar ist der kälteste Monat des Jahres, sein alter Name “Hartung” beschreibt die Härte
der Jahreszeit. Ein kalter Januar ist aber durchaus wünschenswert, denn:

Die Zeit des Holzschlags und des Baumfällens ist am 20. Januar beendet. Bis zu diesem Termin
geschlagene Stämme sind wasserarm und widerstandsfähig ; somit gut als Bauholz zu verwenden.

Der ursprüngliche Name des Fabruars ist “Hornung”. Es wird vermutet, dass diese Bezeichnung das
Abwerfen des alten Geweihs der Hirsche und das Schieben neuer Geweihstangen (sich “hörnen”)
zu dieser Zeit beschreibt. Das Wetter im Februar sollte noch winterlich sein, und nicht zu vorschnell
auf den Frühling hindeuten:

Bleibt der Februar kalt, verspricht das ein warmes Frühjahr:

Der März ist der “Lenz”-Monat. “Lenzing”. Der alte Name deutet auf das “länger werden” der Tage hin.

Der Landwirt hat einen vielversprechenden Start ins Frühjahr, wenn sich der März wie folgt gebärdet:

Die volkstümlichen Namen des April sind “Ostermond” (nach dem Osterfest) oder “Wandelmond”
und “Launing”. Letztere Begriffe, spiegeln das wechselhafte Temperament dieses Monats.

Was man sich im April für ein Wettergeschehen wünschen sollte, beschreiben folgende Sprüche:

“Wonnemonat” oder “Wonnemond” sind die alten Begriffe für den Mai. Es wird vermutet, dass das
Wort “Wonne” weniger mit “Freude” als mit “Wunne” oder “Winne” zu tun hat. Das sind Wortlaute
für “Ackerflur”, die heute nur noch gelegentlich als “Gewann” - Unterteilung der Besitzstreifen eines
Dorfes an Ackerland - vorkommen. “Wonnemonat” wäre danach der “Acker-” oder “Weidemonat”.

Trotzdem wünschen sich die Bauern einen Mai, der nicht zu warm ist und viel Feuchtigkeit bringt,
damit die Saat gut aufgeht:

Die EISHEILIGEN sind die letzten bedrohlichen Kälteeinbrüche, die für die Anbauperiode zu er-
warten sind. Jeder Gemüse- oder Getreidebauer hat grossen Respekt vor den eisigen drei Heiligen
PANKRATIUS, SERVAZ u. BONIFATIUS” (12. 13. u. 14. Mai). Zu guter Letzt gesellt sich
noch “die KALTE SOPHIE“ (15. Mai) dazu. Ist sie ins Land gegangen, können auch frostempfind-
liche Pflänzchen gesetzt werden ohne Schaden zu nehmen.

Zu Zeiten der Dreifelderwirtschaft, ruhte eines von drei Feldern ein Jahr lang ohne Nutzung. Der Juni
war die Zeit, zu der das Brachfeld des vergangenen Jahres bestellt wurde. Daher hiess der Juni auch
ursprünglich “Brachet” oder “Brachmond”. Nun wird es Zeit, für warmes trockenes Wetter, um das
Wachstum kräftig voran zu treiben:

Vorsicht ist immer noch geboten, wenn die SCHAFSKÄLTE (20. Juni) naht. Es kann im Juni noch
immer zu einem Kälterückfall kommen, der den zu dieser Zeit frisch geschorenen Schafen eine Erkäl-
tung bescheren kann. Der zweite Lostag im Juni ist der berühmt, berüchtigte
SIEBENSCHLÄFER
am 27. des Monats. Das an diesem Tag vorherrschende Wetter, soll für sieben Wochen die Wetter-
lage bestimmen. Zu viel Gewicht sollte diesem “Wetterorakel” allerdings nicht beigemessen werden.

- JANUAR - HARTUNG -

- FEBRUAR - HORNUNG -

- MÄRZ - LENZING -

- APRIL - LAUNING -

- MAI - WONNEMOND -

- JUNI - BRACHET -

- JULI - HEUET -

Im Juli findet auf den Wiesen die Hauptmahd statt. Darum war der alte Name des Monats “Heuet”
oder “Heumond”. Nicht nur dem Heu kommt ein trockener und heisser Juli entgegen:

Der Namenstag von MARIA MAGDALENA ist am 22. Juli. Dieser Lostag weist schon auf den
nächsten hin, denn ab JAKOBI (25. Juli) wird der Roggen geerntet. Das Wetter für August zeigen
die HUNDSTAGE Ende Juli an:

Die Hundstage läuten die heisseste Jahreszeit ein. Zu dieser Zeit geht die Sonne gleichzeitig mit
dem Sirius, dem “Hundsstern” auf - Daher rührt der Name.

- AUGUST - ERNTING -

Der Hauptaspekt für die Landwirtschaft ist in diesem Monat die Ernte, was sich auch in den alten
deutschen Namen “Ernting”, “Ähren-” oder Erntemond” ausdrückt.
Anfang August beziehen sich, wie schon Ende Juli, einige Sprüche auf die Hundstage. Die Bauern
haben in der Regel das Getreide bereits eingefahren, daher gehen viele Weisheiten dieser Zeit noch
auf das Bangen der Winzer um die Ernte ein:

Im August wird versucht, aus dem aktuellen Wettergeschehen eine Prognose für die Härte des kom-
menden Winters zu lesen:

- SEPTEMBER - SCHEIDING -

September scheidet endgültig den Sommer vom Herbst. Sein alter Name lautet daher auch “Scheiding”.
Mit Beginn der neuen Jahreszeit wird für die Aussaat des Wintergetreides ein Wetterwechsel notwen-
dig. Zum Keimen der Saat wird jetzt Feuchtigkeit und Wärme gebraucht:

Wettervorraussagen für den Winter werden mit dem Fortschreiten des Jahres immer wichtiger:

- OKTOBER - GILBHART -

Der Oktober färbt das Laub. Der alte Name “Gilbhart” bedeutet so viel wie: “Färbe den Wald gelb”.
Die Silbe “hart” geht auf das Wort “Hart” für (Berg-) Wald zurück, das noch in Namen wie “Haardt”
oder “Harz” erhalten blieb.

Wieder geht es um den immer näher rückenden Winter:

Ein wichtiger Lostag zum Viehtrieb im Oktober ist Sankt GALLUS (16. Oktober):

- NOVEMBER - NEBELUNG -

- DEZEMBER - JULMOND -

Obwohl von der Tageslänge her der Dezember der dunkelste Monat ist, erscheint der düstere No-
vember, als die dunkelste und unwirtlichste Zeit im ganzen Jahr. Ein langer Winter steht bevor und
kalte Nebel schieben sich vor die Sonne. Daher heisst der November sehr treffend “Nebelung”.

Im November gibt es zwei Lostage für eine Winterprognose, alles dreht sich um ALLERHEILIGEN
(1. November), ALLERSEELEN (2. November) und den MARTINSTAG (11. November):

Die Ernte ist unter Dach und Fach, daher sind die meisten Beobachtungen eher auf den Verlauf des
Winters als auf Saat- oder Erntetermine gerichtet. Doch strenger Frost im November kann dem Win-
tergetreide schaden und so finden wir auch hierzu noch eine Aussage:

“Jul” kommt vom altnordischen “Jehwla”, was soviel bedeutet wie: “Zeit der Schneestürme”. Zudem
ist “Jehwla” sehr lautmalerisch und kann auch als “Heulen” oder “Johlen” gedeutet werden. Altger-
manisches Brauchtum ist der “Julklapp” , bei dem maskierte Gestalten Geschenke durchs Fenster
warfen. In Skandinavien hat sich der alte Name des Dezembers noch erhalten.

Die Versuche aus dem Wettergeschehen im Dezember auf das kommende Jahr zu schliessen, sind
natürlich von der Hoffnung auf eine gute Ernte geprägt:

Ab dem 21. Dezember, zur WINTER-SONNENWENDE werden die Tage endlich wieder länger.
In der Regel wird der Frost erst jetzt richtig hatnäckig.

Zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar liegen die 12 RAUHNÄCHTE. Wenn in diesen
Tagen Stürme wehen, soll die wilde Jagd durch die Lüfte reiten. Das Heer Wotans zieht ruhelos um-
her und will sich sn den Abtrünnigen des alten Glaubens rächen. In den Alpenländern machen noch
heute wild Maskierte die Strassen und Höfe beim “Perchtenlauf” unsicher.

Was gibt es in diesen Tagen schöneres, als vor dem Kamin zu sitzen und vom Frühling zu träumen?

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